Zweiter Workshop für geflüchtete Frauen

Am Samstag, 07.04.18, haben wir unsere Reihe mit Workshops für Migrantinnen im Kolpinghaus fortgesetzt. Dieses Mal ging es um die Themen Rechte, Bildung und Erziehung und auch diese Veranstaltung wurde durch die Friedrich-Naumann- Stiftung finanziell unterstützt.

Den Anfang machte die Rechtsanwältin Frau Rottmann-Viefhues. Sie brachte den rund 25 sehr interessierten Frauen die Grundlagen zum Ehe- und Scheidungsrecht nahe. Dabei wies sie die Teilnehmerinnen sehr umfassend auf die Voraussetzungen für die Anerkennung von Ehen, das notwendige Verhalten im Falle einer Trennung und auf die Regelungen des Sorgerechts
während dieser Zeit hin. Weiter ging es mit dem Aufenthaltsrecht nach der Scheidung und den finanziellen Regelungen. Hier wurden u.a. die Unterhaltspflichten, die Haftung für gemeinsam abgeschlossene Verträge und die Rentenanwartschaften angesprochen. Frau Rottmann-Viefhues konnte anschaulich aus ihrer jahrelangen Praxis berichten. Da Dolmetscherinnen alles direkt ins Arabische und Persische übersetzten, konnten viele Fragen größtenteils direkt beantwortet werden und die Teilnehmerinnen nahmen alle
Informationen und Tipps dankbar an.

Nach einem guten Mittagessen ging es dann mit einer weiteren kompetenten Dozentin weiter. Frau Agnes Denkler, Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle Rheine, stellte ihre Arbeit vor. Sie berichtete von jährlich ca. 400 Beratungsgesprächen allein in Rheine und schilderte, in welchen Fällen die Frauenberatungsstelle ihre Hilfe anbietet. In diesem Zusammenhang sprach sie deutlich die in Deutschland geltende Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Bedeutung des Artikels 1 des Grundgesetzes an. Sie verteilte Infomaterial zum Thema Frauenrechte und wies auf das rund um die Uhr zur Verfügung stehende kostenlose Hilfetelefon hin. Jede dritte bis vierte Beziehung ist heute von Gewalt betroffen. Sollte es zu einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt kommen, nimmt die Beratungsstelle Kontakt mit den Betroffenen auf und bietet Hilfe an. „Hinsehen und Handeln“ sei das Wichtigste, wenn es zu einer Gewaltausübung gekommen ist, sagte Denkler. Dabei sei es aber dringend erforderlich, keinen -weiteren- Druck auf die Betroffenen auszuüben, da diese bereits stark unter Stress stünden. Gewalt macht krank. Viele Betroffene sind traumatisiert und leiden unter Depressionen, Alkoholsucht oder Selbstverletzung. Sie appellierte an die Frauen, ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu stärken und auch ihre Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Sie gab zu bedenken, dass ein Leben in Freiheit besser ist als ein Leben in Angst. Hierbei könne ein Austausch in Gruppen und auch Veranstaltungen wie diese den Frauen helfen. Die Teilnehmerinnen waren sichtlich beeindruckt.

Abschließend gab dann Rita Nowakowski, Lehrerin an einer Gesamtschule, einen Überblick über das Schulsystem in NRW. Sie informierte über die in Deutschland geltende Schulpflicht über 10 Jahre und die Anmeldeverfahren von Grund- und weiterführenden Schulen. Weiterhin erklärte sie, dass die DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) eine Erstförderung bieten, an die sich dann schulabhängig eine Folgeförderung anschließt. Auch wies sie auf die Möglichkeit einer Sprachfeststellungsprüfung in der Muttersprache in der 8. bis 10. Klasse hin, die evtl. als Ersatz für eine Fremdsprachenprüfung dienen kann. Sie berichtete über die Berufsfelderkundung in der 8. Klasse und die Praktika während der 9. Klasse. Eindringlich wies sie die Frauen darauf hin, dass die Eltern – auch bei größeren Kindern – für die Einhaltung der Schulpflicht bis zur 10. Klasse verantwortlich sind.

Für offene Fragen oder Probleme bot sie ihre Hilfe über die Flüchtlingshilfe an.
Am späten Samstagnachmittag waren dann sowohl die Veranstalterinnen als auch die Teilnehmerinnen hoch zufrieden. Wieder war es gelungen, den Frauen in einem geschützten Rahmen Informationen und Tipps an die Hand zu geben und Antworten auf zum Teil sehr persönliche Fragen zu liefern.